Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

„Die Dreigroschenoper“ im Stadttheater Klagenfurt


Dreigroschenoper

Einige mögen schon mitbekommen haben, dass ich immer alles zweimal mache. Mindestens. Ich lese Bücher mindestens zweimal, auch wenn sie mir nicht gefallen. Ich sehe Filme immer mindestens zweimal, weil ich erst dann entscheide, ob ich sie mag. Und ich gehe mir Theaterstücke, Musicals usw. immer zweimal ansehen, weil die, die ich mir selbst ansehen wollte, mir bis jetzt immer gefallen haben.

In der Vorhalle ist er mir schon aufgefallen. Ein Mann, groß, lange Haare, grauer Schlapphut, schmutziger, ewiglanger Mantel, Plastiksackerln. Ich denk mir dabei ja nie etwas. Ich warte immer ab. Aber während man auf die „Dreigroschenoper“ wartet, also eine Form von „The Beggar´s Opera“, sagt man wohl nichts dazu.

Als wir dann auf unseren Plätzen warteten, schlenderte der Kerl über die Bühne. Mein Grinsen mag es verraten haben: ich freu mich immer, wenn ich richtig rate. Die Bühne. Die Bühne ist diesmal keine Bühne, die Bühne ist ein grellbeleuchteter Laufsteg, der meinen Augen noch Probleme machen wird, ich weiß es jetzt schon. Aber das konnte ja niemand im Theater wissen. Vorhang gibt es nicht. Putzfrauen wischen über den Laufsteg, hin und her gehetzt von einer geschäftigen Person mit Klemmbrett. Auf der Seite Musiker. Kellner servieren Getränke, Gäste kommen. Gäste setzen sich, alle warten. Wir auch.

Wir wissen es noch nicht, aber wir haben auf Otto Jaus gewartet, den Moritatensänger. Grüner Anzug, weißes Gesicht, schwarzer Hut, rrrrollendes Rrrr. So ein Typ halt. Total hineingesteigert wie er ist, und verrrrrückt wie er klingt, mag ich ihn sofort. Hinter ihm, Models mit Waffen, Mackie Messer, über den er singt und der jetzt plötzlich aufsteht, war im (Bühnen)Publikum. Und so beginnt‘s.

Die Bettlerfabrik von Jonathan Peachum (Maximilian Hilbrand) ist mit Handy und Laptop ausgestattet. Während er seine Leute verstümmeln lässt, übersieht er, dass seine Tochter Polly (herausragend: Nadine Zeintl) mit dem Verbrecher Macheath (Boris Pfeifer), genannt Mackie Messer, durchgebrannt ist. Die Hochzeit der beiden im Pferdestall wird stellenweise etwas lang.

Nun setzt Pollys Vater natürlich alles daran, um Mackie an den Galgen zu liefern. Pollys Mutter Celia (dargestellt von der unglaublichen Dagmar Hellberg) geht das Ziel ohne Rücksicht auf Verluste im Bordell an: Sie bietet den Huren, allen voran Jenny (Patricia Nessy), Geld, wenn sie Mackie ausliefern. Jenny verrät Macheath und er landet im Gefängnis. Sein langer Freund Tiger Brown (verschwindend wenig zu sehen: Erwin Windegger), der Polizeichef ist, will ihn befreien, wird aber zu sehr unter Druck gesetzt.

Obwohl ihn Lucy, Tiger Browns Tochter, aus dem Gefängnis entkommen lässt, verraten die Huren Mackie schon wieder. Da der Typ einfach nicht dazulernen kann, gibt’s diesmal übrigens ein anderes Ende. Mackie wird nicht begnadigt, sondern mit der Giftspritze ins Jenseits befördert.

„Die Dreigroschenoper“, Regie Henry Mason, hab ich zum ersten Mal mit meiner Klasse am 24.April 2009, zum zweiten Mal am 20. Mai mit meinem Vater (sein Geburtstagsgeschenk) gesehen.

Wie immer liebe ich es, zwei Vorstellungen zu vergleichen, was diesmal damit begann, dass Otto Jaus, oben genannter Moritatensänger, sich das Bein gebrochen hatte, und deshalb im Rollstuhl, bzw. mit Krücken auftauchte. Bei den Verehrern fiel er ganz weg, und alleine ein Klavier wegtragen funktioniert auch recht schlecht, ansonsten war alles bedacht.

(29.8.09)

Meine Lieblingstexte noch mal verlinkt:

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