Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

eine Zugfahrt


Warum hält der verdammte Zug in jeder Station? Weil er sonst ja auch bei dir nicht stehenbleiben würde. Gute Antwort. Ich bin müde, ich bin geschafft, ich will zu Hause sein, wann erfinden die endlich das legalisierte Beamen für normale Personen?

Mein Tag hat gut begonnen. Es war so windig, ich wollte nicht einkaufen gehen. Es ist zu kalt, um meinem Körper länger vorzulügen, dass es Sommer wäre. Also war ich zu Hause. Meine Großeltern sind gerade auf ihrer jährlichen, vier bis sechs Wochen andauernden Griechenlandreise. Das heißt, ich gieße die Blumen. Da mein Drucker aus unerfindlichen Gründen nicht mehr funktioniert, dachte ich mir, dass ich Omis Drucker verwenden könnte. Über eine Stunde bevor ich in Richtung Uni fahren musste, ging ich also bei der Wohnung meiner Großeltern vorbei.

Innerhalb von einer dreiviertel Stunde schaffte es der uralte Computer meiner Omi:

  • Den USB-Stick zu finden, und dann wieder zu verlieren
  • Den USB-Stick zu öffnen, danach aber abzustürzen
  • Den Windows-Explorer zu öffnen, obwohl ich nur auf „Arbeitsplatz“ geklickt hatte,
  • Den USB-Stick nicht zu öffnen, dafür aber ein weiteres Mal abzustürzen.

Es lebe die Technik.

Ich bin dann zu einer Freundin, die nicht weit entfernt wohnt. Glück gehabt. Im Zug hab ich versucht, etwas von dem Ausgedruckten zu lesen. „Raum – örtliche Hervorhebung“, etwas über Theaterräume von den alten Griechen bis jetzt. Ein Satz geht etwa über vier Zeilen.

Es lebe die Sprache.

Aber wenn wir schon einmal dabei sind, warum reden Lehrer eigentlich immer so kompliziert? Es ist schon ergreifend, wie Professoren es immer schaffen, Sätze so sehr in die Länge zu ziehen, dass man den Anfang eigentlich schon wieder vergessen hat; und somit den Satz gar nicht verstehen kann.

Ich weiß nicht, woher mein Gehirn das hat, aber binnen zwei Minuten stellte es sich auf die neue Situation ein. Mein süßer, braver Streberkopf übersetzte jeden der unübersichtlich langen Sätze in eine respektable Kurzform. Etwa so, dass ich mitschreiben konnte.  Es fasste zwei bis drei Sätze (sprich: 4 bis 5 Minuten) so zusammen, dass auf meinem Zettel plötzlich Stichwörter standen.  Manchmal gruselt es mich vor mir selbst.

Naja, es hat etwas Gutes: Mittlerweile ist mein Zug in „Wien-Hetzendorf“. Himmel, betrunkene Erwachsene am Donnerstagabend um halb zehn? Haben die nichts Besseres zu tun? Wenn es Jugendliche wären, Normalzustand, aber so? Man sollte meinen, irgendwann zwischen zwanzig und dreißig kriegen sich die halbwegs wieder in den Griff. Langsam hab ich Hunger.

Atzgersdorf. Es zieht. Müde. Rückenweh. Liesing. Soll ich raus und beim McDonald´s vorbeigehen. McD oder nicht McD, das ist hier die Frage. Nein. Müde. Rückenweh. Perchtoldsdorf. Brunn!!!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 10. Oktober 2009 von in Unsinn und getaggt mit , , , .
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