Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

„Die Ferienfamilie“ von Barbara Frischmuth


Die Ferienfamilie von Barbara Frischmuth 

Barbara Frischmuth beschreibt in dem Roman „Die Ferienfamilie“, wie Nora mit ihrem Sohn Pu, ihrer Nichte Laja und dem Sohn ihres Exmannes, Fenek, gemeinsam in den Urlaub fährt.

Nora und ihr Sohn wollen zunächst alleine fahren. Doch plötzlich hat niemand mehr Zeit, um Fenek und Laja über die Ferien zu sich zu nehmen. Nora hat noch Platz und so werden die beiden zu ihr „abgeschoben“.  Zuerst müssen die vier noch ein bisschen zusammen wachsen. Es sieht anfangs so aus, als würde vor allem Fenek gegen Nora arbeiten und ihr einfach nicht helfen wollen. Doch in als er in der Nacht Laja gekonnt über ihre Sorgen hinwegtröstet, weiß man plötzlich, wie schwer sich die Kinder mit der Situation tun.

Nach etlichen Tagen Regen und Schlechtwetter, bricht die halbwegs zusammenhaltende Familie schließlich zum Baden auf. Bei dem Spaß im Wasser taut auch Feneks letztes Misstrauen ab. Als Nora später bei einem Kaffee sitzt, spricht sie ein Mann an. Lajosch ist mit ihr zusammen zur Schule gegangen. Wieder skeptisch geworden, kommen die Kinder zu Nora. Fenek nennt Nora sogar Mama, um jedes Interesse des Mannes zunichte zu machen. Doch Lajosch kommt immer öfter bei dem Ferienhaus vorbei. Manchmal geht er mit Nora aus. Die Kinder machen ihn unsicher, aber er bleibt. Dann passiert ein Unfall. Fenek fährt mit dem Fahrrad viel zu schnell die Straße entlang, kracht gegen Pu, überschlägt sich und knallt mit dem Kopf gegen den Kilometerstein. Blutüberströmt bleibt er liegen. Lajosch und Nora bringen ihn ins Krankenhaus. Dort beginnt die Krankenschwester eine Diskussion. Wem das Kind denn gehört und wie Nora dazukommt, die Verantwortung zu übernehmen. Fenek wacht am nächsten Tag auf, kann sich aber zuerst an nichts erinnern. Hinzu kommt, dass Nora keine Ahnung hat, wo genau sich seine Eltern befinden. Schließlich gelingt es ihr, ein Telefonat mit Feneks Mutter in Australien zu führen, die so schnell wie möglich kommen will. Am Tag darauf hat Fenek wieder einen klaren Kopf. Er will den nächsten Sommer gerne wieder mit Nora und Pu verbringen, ist sich aber nicht sicher, ob er überhaupt willkommen ist. Nora zerstreut seine Zweifel und teilt ihm mit, was er sich nicht zu fragen traute: Dass seine Mutter auf dem Weg zu ihm ist. Als Nora zu Pu und ihrer Nichte Laja zurückkehrt, findet sie eine Postkarte von Feneks Vater vor. Auch er und seine dritte Frau werden den Urlaub abkürzen und zurückkommen. Vor Erleichterung lachen alle drei laut auf.

Der Roman liest sich schnell und leicht. Das Thema ist aber keineswegs seicht. Es hat mich sehr gefreut, dass auch sehr auf die Kinder eingegangen worden ist. Normalerweise handeln „Erwachsenenbücher“ ja von Erwachsenen und ihren Problemen. Dass die Autorin auch sehr gut die Scheidungskinder und ihre Verzweiflung versteht, beweist wohl ihre genaue Beobachtungsgabe. Diese kommt auch zum Vorschein, wenn es um das Wetter geht. Es wird sehr oft beschrieben, welche Stimmung der Himmel in Noras Kopf macht. Die ganze Geschichte ist sehr nett, zwischendurch aber auch traurig und sehr stimmungsvoll.

Nora ist sehr mit sich und ihren Gedanken beschäftigt. Trotzdem findet sie immer Zeit, mit den Kindern die Gegend zu erkunden und ihnen zuzuhören. Sie ist manchmal sehr einsam und will nicht über etwas nachdenken, was Probleme machen könnte; wie zum Beispiel, dass Lajosch die Kinder zu viel werden könnten. Nora und ihre Schwester wurden als Kinder immer hin und her geschoben. Also will Nora unbedingt, dass die Kinder, die sich in ihrer Nähe aufhalten, freiwillig oder nicht, wohlfühlen.

Fenek ist der zwölfjährige Sohn von „Vater eins“, der auch Pus Vater ist, und einer nicht benannten Mutter, die sich mit ihrem neuen Mann in Australien eine Existenz aufbauen will. Er nimmt die neuen Partner seiner Eltern nicht ernst, und tut so als würde es ihm völlig egal sein, bei wem er bleiben muss. Es war auch Feneks Idee die Personen durchzunummerieren. Er geht von sich selber aus, was seine leiblichen Eltern zu „Vater eins“ und „Mutter eins“ macht. Nora ist demnach „Frau zwei“. Dass gibt einem beim Lesen sofort einen Überblick, sodass man gar nicht nachdenken muss, wer zu wem gehört.

Für Laja, Noras Nichte, muss sich Fenek allerdings etwas Neues einfallen lassen, denn sie ist ja überhaupt nicht mit ihm verwandt. Lajas Eltern haben sich gerade scheiden lassen, und Laja schiebt alles auf die Schuld von dem „Scheißweib“, mit dem ihr Vater jetzt zusammen ist. Auch Fenek und Pu finden Lajas Vater bei dem einzigen Besuch eher unsympathisch. Laja wird von Heimweh und der Angst verfolgt, dass auch ihre Mutter einen neuen Freund anschleppen könnte. Nora kann ihr dann aber vermitteln, dass sie ja immer Freunde bleiben können, auch wenn sie nicht meint, dass Lajas Mutter ihre Tochter im Stich lassen würde.

Pu ist Noras Sohn, aus ihrer Ehe mit Feneks Vater. Er ist der Kleine im Ferienhaus und bildet sich ein, dass es eben immer nach seinem Kopf gehen muss. Er ist aber auch sehr fürsorglich und will, dass sich alle freuen, wenn er da ist.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Januar 2010 von in berühmte Bücher und getaggt mit , , , , , .
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