Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

„Die Klavierspielerin“ von Elfriede Jelinek


Die 36jährige Erika Kohut wohnt zusammen mit ihrer Mutter in einer kleinen Wohnung. Die Mutter versuchte nach dem Tod ihres Ehemannes, Erika möglichst eng an sich zu bilden, sie vom Leben außerhalb der Wohnung fernzuhalten. Sie will ein Wunderkind aus ihr machen. Mit Gewalt wird Erika das Klavierspielen beigebracht.

Erika will haben, was ihre Mitschülerinnen haben, sie stiehlt zwanghaft und wirft es dann in den Mülleimer. Genau wie ihre Mutter verachtet Erika alles Gewöhnliche. Zur Enttäuschung ihrer Mutter reicht Erikas Begabung nicht für eine Pianistinnenkarriere. Stattdessen wird Erika nur Klavierlehrerin am Konservatorium.

Jetzt lebt sie mit ihrer Mutter in dieser Mietswohnung, Erikas Zimmer kann man nicht abschließen, sie schläft mit ihrer Mutter im Doppelbett. Sie hat auch sonst kein Privatleben. Die Mutter verhindert, dass sich ein Mann zwischen sie und ihre Tochter drängen könnte. Die Mutter verkauft sogar die neugekaufte Kleidung ihrer Tochter, um Geld für eine größere Wohnung zu sparen.

Erika hat immer eine Rasierklinge bei sich. Sie schneidet sich damit in den Handrücken oder in die Schamlippen. Sie spioniert auch ihren Schülern nach und überrascht sie, wenn sie Bilder von Softpornos anschauen. Sie schimpft nicht, sondern stellt in der nächsten Klavierstunde nur fest, dass zu wenig geübt wurde.

Erika selbst mag keine Softpornos, sondern nur härtere Darstellungen. Sie schließt sich auf dem Nachhauseweg auch mal in einer Peepshow-Kabine ein. Nachdem sie ihrer Mutter vorgelogen hat, dass sie noch zu einem Konzert müsse, fährt sie abends zur Jesuitenwiese und schleicht sich ganz nah an ein Paar heran. Weil sie danach erst spät nach Hause kommt, prügelt die Mutter auf sie ein, doch Erika schlägt zurück, bis beide am Boden liegen bleiben.

Bei einem Hauskonzert umsorgt die Mutter Erika in der Pause. Ein Student, Walter Klemmer, der bei Erika Klavierstunden nimmt und sie seit Wochen umwirbt, ist dort. Er hilft seiner Lehrerin und der Mutter in die Mäntel und begleitet sie bis zur Straßenbahn. Walter Klemmer nutzt jede Gelegenheit, um bei Erika zu sein. Während der Probe in der Volksschule geht Erika, nachdem sie eine Flötistin an der Hand verletzt hat, seelenruhig aufs Schülerklo. Klemmer folgt ihr und küsst sie, greift ihr unter den Rock. Erika drückt ihn von sich weg und hält ihn auf Abstand. Sie öffnet seine Hose, holt seinen Penis hervor und lässt ihn erst los, als er kurz vor dem Orgasmus ist. Klemmer bittet sie, weiter zu machen, doch sie fasst ihn nicht noch einmal an.

Sie kennt das Gefühl, dass sie jetzt hat, nicht. In Klemmers nächster Klavierstunde beleidigt sie ihn nur. Am Ende der Stunde gibt sie ihm einen Brief. Klemmer folgt ihr auf ihrem Heimweg und holt sie ein. Erikas Mutter macht klar, dass er hier unerwünscht ist. Erika sagt, sie müsse etwas mit ihm besprechen und geht mit ihm auf ihr Zimmer. Sie schieben die Kredenz vor die Tür, da sie sich ja nicht absperren lässt. Während die Mutter vergeblich an der Tür lauscht, will Erika nebenan, dass Klemmer den Brief liest. Da steht, dass er sie knebeln, fesseln, schlagen und vergewaltigen soll. Klemmer will nur noch fort und rennt aus der Wohnung.

Er kommt nicht mehr zu den Klavierstunden und so geht Erika zu seinem Klarinettenunterricht und zerrt ihn in die Abstellkammer, um seinen Penis in den Mund zu nehmen. Aber Klemmer bekommt keine Erektion, was ihn sehr frustriert. Er läuft in den Park, erschreckt ein Liebespaar und masturbiert auf der Straße, vor Erikas Haus. Mitten in der Nacht ruft er Erika an, und verlangt, dass sie ihm aufmacht. Er ohrfeigt Erika, tritt auf sie ein. Die Mutter will die Polizei rufen, doch er sperrt sie ins Schlafzimmer ein. Dann vergewaltigt er Erika und geht.

Erika geht zur Technischen Hochschule, sie hat ein Messer dabei, ohne zu wissen, was sie eigentlich damit tun will. Erika sieht Klemmer mit einem Mädchen flirten, inmitten einer Gruppe Studenten. Erika ist plötzlich wütend auf sich selbst und sticht sich einfach so das Messer in die Schulter. Dann geht sie blutend nach Hause.

Das ist mit Abstand das verrückteste Buch, das ich jemals gelesen habe. Manche Stellen sind so abscheulich, dass man sofort das Buch zuklappen will, aber es geht nicht. Ich konnte es nicht. Ich musste weiterlesen. Und deshalb, Ladies and Gentlemen, ist es ein gutes Buch. Wobei ich natürlich hoffe, es nach den dreimal, die ich es bereits gelesen habe, nicht mehr lesen zu müssen.

gekauft bei Weltbild, um EUR 9,20

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Januar 2010 von in berühmte Bücher und getaggt mit , , .
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