Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Johann Nestroy, Schauspieler, Bühnenautor


Johann Nestroy

Leben

Johann Nepomuk Eduard Ambrosius Nestroy wurde am 7. Dezember 1801 geboren und studierte als Sohn eines Hof- und Gerichtsadvokaten Jura in Wien. Mit 13 Jahren trat Nestroy öffentlich als Pianist auf. Mit 17 sang er die Rolle des Sarastro in Mozarts „Zauberflöte“. 1822 begann er als Opernsänger am Hoftheater in Wien. Schon bald wechselte er ans Deutsche Theater in Amsterdam, wo er bereits einige Sprechrollen übernahm. Einige Zeit verbachte er in Brünn, dann ging er nach Graz. Dort war er öfter in Sprechrollen zu sehen als bei Gesangparts. 1831 wurde er von Direktor Carl am Theater an der Wien engagiert. Zum Leidwesen von Ferdinand Raimund wurde Nestroy sehr beliebt. Aber nicht nur als Schauspieler feierte er Erfolge, er begann auch zu schreiben. Er erzielte auch als Bühnenautor beachtliche Erfolge und 1833 gelang ihm mit „Lumpazivagabundus“ der große Durchbruch. Dieses Stück wurde sein meistge-spieltes. Er wurde zur Leitfigur des Wiener Volkstheaters. Die Hauptrollen seiner Stücke schrieb er sich übrigens selbst auf den Leib, später auch seinen Partnern. 1845 ging er ans Leopoldstädter Theater. Dort wurde Nestroy 1854 Direktor. Er leitete es bis 1860. Dann zog er sich von der Bühne zurück; er ging nach Bad Ischl und Graz. Nach seinem Abgang von der Bühne, wurde es still um seine Stücke. Niemand konnte sich vorstellen, ein Nestroystück ohne Nestroy zu spielen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg setzten sich seine Komödien endgültig durch.

Am 25. Mai 1862 starb Nestroy an den Folgen eines Schlaganfalls. Er wurde am Währinger Friedhof beigesetzt. 1881 erhielt er ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

Werke

Nestroy schrieb um die 85 Stücke. Er führte die biedermeierliche Zauberposse zur realistischen Gesellschaftssatire, sein Wortwitz unterhält den Verstand. Er liebte sprechende Namen (z.B. Flora Baumscheer ist Gärtnerin, Zwirn ist ein Schneider).

„Der böse Geist Lumpazivagabundus“ oder „Das liederliche Kleeblatt“

ist eine Zauberposse mit Gesang. Der Tischler Leim, der Schneider Zwirn und der Schuster Knieriem werden durch Fortuna bei der Lotterie reich. Sie beschließen, sich in einem Jahr wieder zu sehen. Nur Leim hat eine Familie, die beiden anderen sind bis zum Schluss in der Gewalt von Lumpazivagabundus, dem Leichtsinn, und versaufen ihr Geld. Durch das Eingreifen von Amorosa, der Fee der wahren Liebe, werden sie doch noch zu biederen Ehemännern. Das Kometenlied, das der betrunkene Knieriem singt, wurde berühmt. In der Einleitung des Stückes wird die Jugend im Feenreich vom bösen Geist Lumpazivagabundus verführt. Sie geloben, sich zu bessern, sobald sie ihr Geld wieder haben. Natürlich vergessen sie ihre guten Vorsätze, sobald Fortuna sie wieder reich macht. Doch einer will sich bessern, wenn er dafür Fortunas Tochter zur Frau bekommt. Fortuna willigt ein, fordert jedoch eine zusätzliche Bedingung: zwei von drei armen Sterblichen sollen dem Leichtsinn entrissen werden.

„Der Talisman“

handelt von dem rothaarigen Barbiergesellen Titus Feuerfuchs, der, nachdem er Monsieur Marquis gerettet hat, eine Perücke geschenkt bekommt. Dieser „Talisman“ verändert alles, Titus wird von der Gärtnerin Flora Baumscheer eingestellt. Dann wird er befördert zum Jäger, schließlich sogar Sekretär der Frau von Cypressenburg selbst. Am selben Tag noch fliegt sein ganzer Schwindel jedoch auf. Bevor Titus noch ganz vom Schloss wegkommt, taucht der Bierversilberer Spund auf und vererbt seinem Neffen Titus viel Geld. Daraufhin wird Titus von den Damen wieder als besonders angesehen. Doch dieser sieht Gott sei Dank ein, dass nur die ebenfalls rothaarige Salome den echten Titus mag, und so kommt es zum „Happy End“.

Bei der Uraufführung am 18.Dezember 1840 spielte Nestroys Lebensgefährtin Marie Weiler die Gärtnerin Flora Baumscheer.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 15. Januar 2010 von in berühmte Leute und getaggt mit , , , , .
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