Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Klagenfurt ist eine Provinz, Schularbeit


Hallo,

eine Schularbeit, die wir letzte Woche schreiben mussten, lief eigentlich darauf hinaus: Ist Klagenfurt eine Provinz oder nicht? Für Gerd Jonke in seinem “Geometrischem Heimatroman” (veröffentl. 1969) ist Klagenfurt eine Provinz.

Bin ich in einer Provinz, wenn ich zwei Stunden, oder samstags auch mal drei, auf einen Bus warten muss? Vielleicht gilt das Wort “Provinz” ja auch erst, wenn ich in einer Hütte in den Bergen oder im Wald in einem Funkloch sitze- selbstverständlich ohne Strom oder fließendes Wasser. In der heutigen Zeit, mit allen verfügbaren Medien und Fortbewegungsmöglichkeiten ausgestattet zu sein, ist ganz einfach normal. Wir haben uns daran gewöhnt, dass jede Viertelstunde ein Zug an unserer Nase vorbeifährt und alle drei Minuten die U-Bahn. Am Beispiel Klagenfurt wird laut Politikern deutlich, dass noch mehr öffentliche Verkehrsmittel nicht gebraucht werden: Jeder hat ein Auto zur Verfügung und deshalb sind die Busse leer. Das eigentliche Problem ist aber, dass es in einer kleinen Stadt wie Klagenfurt einfach verrückt ist, die Busse nur alle zwanzig Minuten fahren zu lassen; in dieser Wartezeit erreicht man den Zielort ja schon zu Fuß! Dazu kommt, dass es vor allem Schulkindern immer wieder passiert, dass der Busfahrer an ihrer Haltestelle einfach nicht stehen bleibt! Er sieht sie an (anscheinend doch durch sie durch) und fährt einfach weiter. Allerdings muss man auch sagen, dass zwar sonst alle Busse leer sind, aber zu Stoßzeiten wie zu Schulende mittags die Busse oft so sehr überfüllt sind, dass einige Kinder gar nicht mehr mitfahren können, einfach aus Platzmangel. Und das, obwohl die Schüler im Bus übereinander und aneinander picken. Warum schickt man nicht mehrere Busse, wenige Minuten hintereinander los? Naja, ich bin bei Wien aufgewachsen, wahrscheinlich bin ich einfach verwöhnt. Im Grunde stimmt es: Meine Freundin, sie wohnt etwa fünf Minuten vom Bahnhof in Liesing entfernt, beschwert sich schon, dass sie auf den Bus, der sie zu ihrem Vater bringt dreißig Minuten warten muss. Eine Zeit von der wir träumen! (Zu uns hinaus geht alle zwei Stunden ein Bus. Und dann muss man eine Viertelstunde zu Fuß gehen.) Diese Freundin ist aber auch immer diejenige, die mich ärgert, wenn ich ein Konzert verpasse. Das Internet liefert uns mittlerweile alle Informationen, die wir haben wollen. Wenn man die richtigen Seiten kennt, kann man alles erfahren. Allerdings ist es finanziell und zeitlich unmöglich, immer wieder nach Graz oder Wien zu fahren, nur um ein Konzert zu besuchen oder ins Theater zu gehen. Wie habe ich mich gefreut, als “Mein Nestroy” auch im Stadttheater Klagenfurt gespielt wurde! Das sind alles nur Kleinigkeiten, ein sehr großes Problem dagegen ist die Umwelt. Lärm und Dreck von den Menschen und Autos werden auch in Klagenfurt immer schlimmer. Als ruhiges Plätzchen zum Zurückziehen kann man es nicht mehr benutzen. Dafür wäre noch mehr Abgeschiedenheit nötig. Man kann natürlich hinausfahren: an den See, in die Berge. Schön. Zum Urlaubmachen. Und unpraktisch zu leben. In Wien ist es lauter und hektischer, so wie das Leben des durchschnittlichen Menschen heutzutage eben ist. Nach einem Tag in der inneren Stadt, brauchen viele Leute erst einmal Ruhe. Aber man kann diese Erholung ganz leicht bekommen. Keine halbe Stunde und man steht auf einer riesigen Wiese, in einem Feld oder mitten im Wald. Denn so sehr Stadt ist Wien auch nicht. Das ist die Balance, die uns Menschen im “Heute” eigentlich schon reicht. Oder reichen muss? Es wird immer weiter gebaut werden, immer mehr. Die Stadt wird sich verändern, die Provinz auch. Aber Klagenfurt ja vielleicht nicht. Klagenfurt ist ja oft altmodisch. Was Ausländer angeht sogar sehr. In Wien steigt man in eine Straßenbahn und hört zehn verschiedene Sprachen zugleich, was schön ist, finde ich. Jeder, der in Klagenfurt anders spricht oder anders aussieht als die Mehrheit wird angestarrt und begutachtet wie ein seltsames Insekt; diejenigen, die hierbleiben wollen, sogar wie ein giftiges. Das würde in Wien nicht mehr so oft passieren. Schon allein deshalb nicht, weil niemand so viel Zeit hat, hinter jedem zweiten Menschen her zu starren.

Sehr persönlich, nicht Klagenfurt- freundlich, sehr lang, ist mir klar. Die Message ist aber: Mehr Kultur nach Klagenfurt! Mehr Bewegungsfreiheit durch öffentliche Verkehrsmittel!

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Ein Kommentar zu “Klagenfurt ist eine Provinz, Schularbeit

  1. Also Kultur können wir Dir im Sommer in Klagenfurt bieten!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 22. Januar 2010 von in Aufsätze und getaggt mit , , , .
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