Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Autos, Problem 5.131.679.513


Hast du das schon mal erlebt? Mir ist das letztes Jahr mal passiert.

Du kommst aus der Arbeit, bist spät dran, musst noch deine Schwester von der Schule abholen. Rennst zum Auto, setzt deine Sonnenbrille auf, schnallst dich an, drückst den MP3-Player ins Autoradio, steckst den Schlüssel in sein Loch, steigst auf die Kupplung, drehst den Schlüssel um und dann- Stille. Nichts. Gar nichts. Probierst es noch mal von vorne: Kupplung loslassen. Wieder drauf. Schlüssel drehen. Nichts.

Heilige Scheiße!

Du studierst zunächst die verschiedenen Blicklichter am Armaturenbrett. Benzin? Halb voll. Batterie leuchtet- normal, sollte jedoch ausgehen, wenn man startet- haha. Öllampe leuchtet. Geht aus. Okay. Ansonsten leuchtet aber nichts mehr. Der Radio spielt. Die Sonne scheint. Tja.

Ich mache in einer solchen Situation immer eines.

Nämlich meinen Vater mittels Handy erreichen. Warum ist er so froh? Ich sage es ihm. Er sagt: „Oh!“ Passend. „Jemand“, sage ich, und damit meine ich ihn, „muss die Brina trotzdem abholen.“ Er sagt, er kommt. Das ist doch schon einmal gut. Zwischendurch überquere ich den Parkplatz, und gehe beim Billa einkaufen. Dazu braucht man ja kein Auto. Und die Zeit, die hätte ich mir doch auch nie dafür genommen. Man will doch immer möglichst schnell nach Hause, wenn man lange gestanden ist und geackert hat. Ich kaufe natürlich auch nichts Wichtiges, nur eben etwas, damit die Zeit schneller vergeht. Es dauert fast eine Stunde bis mein liebes Vaterlein mit meiner Schwester bei mir landet.

Er tritt auf die Kupplung, wie ich es auch schon endlose Male versucht habe, und plötzlich gibt das Pedal nach und sackt hinunter. Uups. „Na ja“, meint er schließlich. „Die Erste ist ja sowieso drin. Ich könnte hinüber zum Dings fahren.“ Mit Dings meint er die Fiat-Werkstatt, deren Namen man sich einfach nicht merkt.

„In der Ersten?“ Meine Schwester und ich sehen in etwa gleich dämlich drein. „Ja. Du fohrst halt min Pontiac.“ Oh-oh. Mit Quietschen, Rauchen und Stöhnen schafft es mein Vater tatsächlich, den kleinen Fiat zum Laufen zu bringen. Mein Oh-oh galt aber dem Pontiac Transsport, den mein Großvater uns einige Monate zuvor geschenkt hatte, als er selbst sich einen Neuwagen anschaffte. Ich vermied es von Anfang an, mit dem riesigen, unübersichtlichen Benzinverschlucker zu fahren. Mein kann nicht Kuppeln, man kann nicht parken, man kann nicht lenken- es sei denn man ist so stark wie Pippi Langstrumpf und Wladimir Klitschko zusammen und hat die Augen eines Adlers, und kann den Kopf einer Eule gleich um 180° drehen. Da es sich bei mir, als ich das letzte Mal nachgesehen habe, aber noch um einen normalen Menschen handelte, habe ich mich damit abgefunden, keine seltsamen, sondern nur noch normale Autos zu fahren.

Siebenmal. Siebenmal ist mir dieser Idiot von einem Auto abgestorben, bis ich aus der Parklücke draußen war. Gott sei Dank ist es nicht weit bis zum Dings.

(Beim Fiat war übrigens das Kupplungsseil gerissen. Aber da das schon das zweite Mal in diesem Jahr passierte, brauchten wir nichts zu zahlen und der Papa hat auch noch einen Ersatzwagen bekommen)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Januar 2010 von in Unsinn und getaggt mit , , , , , .
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