Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

VO T&M: 26.03.2010


Schriftlichkeit und Mündlichkeit

 
 

  • Folgen der Verbreitung der Schrift im antiken Griechenland
  • Hörprobe: Oscar Werner liest Rainer Maria Rilke – Herbsttag, Menschen bei Nacht
    • Beim Hören ist das Tempo vorgegeben
    • Beim Lesen kann man es selbst entscheiden
    • Wenn etwas nicht gehört wird, dann ist es weg.
    • Worte fliegen, Schriften bleiben! – römisches Sprichwort
    • Beim Lesen kann man innehalten und es sich vorstellen
    • Beim Hören muss man dranbleiben, sonst verpasst man etwas
  • Mündlicher Vortrag ist Interpretation
    • Gute Vorleser müssen wissen, was sie lesen und wie sie es lesen
  • Die Stimme ist von mehrdimensionaler Klangfarbe, hat Genauigkeit
    • Sie ist auch sehr individuell
      • Man erkennt, wer spricht
    • Situativ variabel
      • Traurig, fröhlich
    • Öffentlich und private Stimme unterschiedlich
  • Beim selbst Lesen ist die gesprochene Stimme weg
  • Freiraum zur Interpretation
    • Mündli. Dichter spielt Aussehen eine Rolle
  • Direktes Feedback möglich /nicht möglich
  • Ganz anderes Prinzip, wenn keine Schrift vorhanden!
  • Phönizisches Alphabet
    • Griechen entwickeln phönizisches Alphabet weiter
    • Vorher: Mischungen
    • Konsonantenschriften
    • Durch Griechen auch Vokale besetzt
    • 22 –> 25 Buchstaben im griechischen Alphabet
      • Aleph: Ochse
    • Es stand nicht fest, in welche Richtung gelesen wird
      • Von rechts nach links oder
      • Erste Zeile von links nach rechts, zweite Zeile von rechts nach links

         
         

  • Bestimmte Texte wurden festgehalten
    • Es wurde nicht gelesen, um zu lesen
    • Es wurde festgehalten, um vorzulesen
    • Im alten Ägypten wurde festgelegt, wer schreiben darf
    • Bei Bürgern im alten Griechenland war das Erlernen von Schreiben normal
      • Deshalb mehr „Publikum/Leser“
    • Schrift war praktisch
      • Nicht Bilder wie in China, sondern 25 Zeichen, die jeder leicht lernen konnte
    • Bildlogik ist aber flächenabdeckbarer
      • Wenn nicht gleicher Dialekt gesprochen wird, versteht man trotzdem
  • Griechenland war immer noch von Mündlichkeit geprägt
    • Leicht erlernbare Schrift
    • Schrift nur dienend, Sprache herrschend
  • Konsquenzen davon?
    • Zitat Rösler
  • Wie funktionieren Mündliche Kulturen?
    • Beschr. Gedächtnis
    • Assmann geprägt, Halbwachs gemeinsame Erinnerungen
    • Kult und kommunik. Gedächtnis
    • Kommunikatives: alltägliches,
      • an gemeinsame Gespräche
      • Ungefähr 80 Jahre zurück
      • Oral history, eigene Lebenszeit
      • Was nicht aufgezeichnet wird, ist weg
    • Kulturelles Gedächtnis: bewusste Überlieferung
      • Riten, Geschichtsschreibung
      • Rekonstruieren wollen
    • Asmann: Kulturelles Gedächtnis vererbt sich nicht
      • Woher man kommt, was man früher war beeinflusst den Menschen
      • Und seine Identität
      • Auch Gruppe: kein einziges Gehirn, Sprichwörter, Riten, Tänze, Landschaften, Heilige Plätze usw
      • Oral: beschränkt
    • Dichter, Schamanen sind „Erinnerer“
      • Die Bibliotheken vor der Schriftlichkeit
      • Aber ihr Gedächtnis ist beschränkt
        • Wenn Neues kommt, muss Altes weg
        • Irrelevantes wird vergessen
        • Neue Erkenntnisse werden gespeichert
        • Widersprüche sind weg
          • Erde ist rund, Information sie ist Scheibe wird gelöscht
  • Ethnologie
    • Jack Goody: Entstehung und Folgen der Schriftkultur
    • Homäostatisch
      • Beisp. Afrika, Erzählung Ghana
      • Briten zeichnen auf, dass es einen Gott/König gab, der Söhne hatte. Dort waren sieben Dörfer, also schreiben die Briten er hat sieben Söhne. Irgendwann waren es nur noch fünf Dörfer, also änderte sich die Erzählung in fünf Söhne
      • Ohne Schrift wäre die Erzählung mit den sieben Söhnen einfach vergessen worden –> weil egal
    • „Kein“ Zeitbegriff, Linearität
      • Ritual wird gefeiert, egal zum wievielten Mal
  • Zentrale Funktion: Oral poet
    • Aktualisiert, trägt alles weiter
    • „Medium der göttlichen Wahrheit“, singt die „Wahrheit“
  • Homer: Ilias und Odyssee
    • Genau Übergangsschwelle schriftl./mündl.
      • Es werden die Musen angerufen: „Sagt mir, wie war das wirklich?“
  • Theory of oral form. Poetry
    • Helläugige Athene, Wolkensammler Zeus –> orale Erzählungen
    • Sagen keinen Text auf, sondern erfinden nach bestimmten Mustern
    • beim Formulieren entstehet der Text, immer ein bisschen anders
  • Stereotypische Muster
  • Singen in Versen, rhythmisch leichter zu merken
  • Wir kennen das nur schriftlich
    • Wir wissen nicht, wie es wirklich war
  • Homer kann nicht mündlich sein
    • Weil: zu komplexe Strukturen
    • –> Auch bei Nibelungenlied
  • Konsequenzen der Schriftlichkeit
    • Schriften: Raum und Zeit wird die Sprache überdauern
    • Schrift bewahrt auch Widersprüchliches
      • Deshalb kommt die Frage nach der „Wahrheit“ auf
      • Zweifel beginnt
      • Autoren kritisieren sich gegenseitig
        • „Homer kriegt die Wahrheit von den Musen, alle anderen nicht“
        • „Dichtern kann man nicht mehr glauben“
        • 5.Jh, 6. Jh v. Chr. Wird immer stärker kritisiert
        • –> die Schrift ist die Ursache
        • Das Schaffen wird beeinflusst
  • Wahr oder Falsch? neue Erfindung: Fiktion
  • Platon in Politeia: Schrift zerstört das Gedächtnis, Dichtung ist eine schändliche Lüge
  • Aristoteles (Schüler v. Platon), Texte nur zum Teil vorhanden
    • 1 Der Mensch hat einen angeborenen Mimesistrieb
      • Nachahmen-Trieb
      • Mensch macht gerne nach, hört gerne Nachgemachtes
    • 2 Katharsis
      • Soziale Funktion von Dichtung
      • Furcht, Mitleid –> Prozess der Katharsis
      • Gesellschaftliche Funktion
      • Nicht Chaos, sondern Reinigung
      • Martha Nussbaum: nicht Läuterung, sondern Klärung von Problemen
    • 3 „was könnte geschehen“
      • Wahrscheinlichkeit
      • Fiktionalität
      • Wahrheit der Fiktion
  • Svenbro
    • Rezeption geschieht hörend
    • Jemand liest vor
      • Durch lautes Lesen wird Schrift lebendig
      • Leser dient dem Geschriebenem als Instrument
    • Schrift ist da, um gelesen zu werden
      • Das geschriebene Wort ist ohne Seele
      • Zuhören der Texte nicht Lesen
  • Der Leser ist dem Schreiber unterworfen
    • Antike: Sklaven lesen vor
    • Schreiber steuert den Leser
    • Wer dominiert wen?
    • Machtverhältnisse, Unterdrückung
  • Jesper Svenbro: Ameisenwege (buch)

     
     

     
     

     
     

     
     

     
     

     
     

     
     

     
     

     
     

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Information

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 7. Juni 2010 von in VO Texte und Medien.
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