Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

20. Dezember- Märchen: Der gestiefelte Kater


Märchenstunde:

„Also.

Es war einmal vor langer Zeit in einem fremden Land. Dort lebte ein armer Müller. Er hatte drei Söhne. Und als der Müller starb, erbte der älteste Sohn die Mühle. Er freute sich sehr, denn nun konnte er Müller werden und so sein Geld verdienen. Der zweite Sohn erbte den Esel. Auch er freute sich. Mit dem Esel konnte er in der Mühle helfen.  So war auch das Einkommen des zweiten Sohnes gesichert. Doch für den jüngsten Sohn des Müllers blieb nichts mehr. Er erbte den alten Kater und wusste nichts damit anzufangen. Plötzlich sprach der Kater zu seinem Herrn.

„Herr, lasst Stiefel für mich anfertigen und ich werde Euch zu einem reichen Mann machen.“

Der Müllerssohn glaubte dem Kater nicht, aber er kannte einen Schuster, der ihm noch einen Gefallen schuldig war. Also ließ er Stiefel für seinen sprechenden Kater anfertigen. Der Kater spazierte in den Wald und fing einen Sack wertvoller Rebhühner. Mit dem schweren Sack ging er zum Schloss des Königs und bat um Einlass. Tatsächlich wurde er bis zum König vorgelassen.

„Majestät!“, sprach der Kater, „mein Herr der Herzog schickt mich. In seinen Wäldern gibt es so viele Rebhühner, dass er Euch, dem König, eine Freude machen will. Nehmt diese Rebhühner als ein Geschenk.“

Der König nahm das Geschenk an und erkundigte sich bei seinen Männer, wer denn so reich sei, dass er einen ganzen Sack Rebhühner verschenken konnte.

Am nächsten Tag ging der Kater wieder in den Wald, fing Rebhühner und brachte sie zum König.

„Mein lieber Kater,“ sprach der König, „deine Rebhühner schmecken uns allen sehr. Überbringe deinem Herrn dem Herzog meinen Dank und nimmt dir doch etwas aus meiner Schatzkammer.“

„Nein, nein“, rief da der Kater entsetzt. „Mein Herr schickte die Tiere als Geschenk. Niemals dürfte ich etwas dafür annehmen.“

Eine Woche lang brachte der Kater dem König jeden Tag einen Sack voller Rebhühner und nahm nichts als Gegenleistung an. Zu Hause wurde sein Herr der Müllerssohn immer ärmer. Am Anfang der nächsten Woche, beschloss der Müllerssohn im Teich zu baden und legte seine ärmlichen Kleider am Ufer ab. Der Kater wollte dem König wieder einen Sack Rebhühner bringen, doch der König war nicht da. Der König und die Prinzessin hatten beschlossen eine Ausfahrt in der neuen Kutsche zu machen.

Der listige Kater stahl nun die ärmlichen Kleider seines Herrn und lief dann der Königskutsche entgegen.

„Hilfe! Zu Hilfe! Man hat meinen Herrn, den Herzog, bestohlen! Wir wurden überfallen! Sogar die Kleider haben sie ihm geraubt!“, rief er.

Der König ließ die Kutsche zum Müllerssohn fahren, und ihm neue Kleider bringen. In den teuren Kleidern sah er tatsächlich aus wie ein Herzog. Er sah gut aus, das fiel der Prinzessin gleich auf.  Der Herr des Katers, von nun an Herzog, durfte sich zu dem König und der Prinzessin in die Kutsche setzen.

Der Kater jedoch lief voraus und schrie: Macht Platz für den König!“, das tat er einige Male, denn er wollte das die Kutsche ihm folgte. Dann lief er schnell, bis er die Kutsche nicht mehr sah. Er kam an ein Feld, auf dem einige Bauern arbeiteten.

„He, ihr Leute! Wem gehört denn dieses Feld?“, fragte der Kater

„Unserem Herrn, dem bösen Zauberer, gehört das Feld“, antworteten die Bauern.

„Ihr lieben Leute, tut mir den Gefallen: wenn der König vorbei kommt, und fragt, wem das Feld gehört, dann antwortet ihm doch, dass es dem Herzog gehört!“

„Na gut, Kater, wir wollen dir den Gefallen tun“, sagten die Bauern.

Der Kater lief weiter. Da kam er zu einem riesigen Feld, auf dem viele Bauern arbeiteten.

„He, ihr Leute! Wem gehört denn dieses große Feld?“, rief der Kater.

„Unserem Herrn, dem bösen Zauberer, dem gehört das Feld!“, antworteten die Leute.

„Liebe Leute, tut mir doch den Gefallen und sagt dem König, dass das Feld dem Herzog gehört.“

„Na gut, wir werden dir den Gefallen tun.“ antworteten die Bauern.

Der Kater lief weiter und kam an einen riesigen Wald, indem viele Holzarbeiter Bäume fällten.

„He, ihr Leute! Wem gehört denn dieser Wald?“, fragte der Kater.

„Unserem Herrn, dem bösen Zauberer, dem gehrt der Wald!“, antworteten die Holzfäller.

„Ihr lieben Leute, seid so gut: Wenn der König vorbeifährt, sagt ihm, dass der Wald dem Herzog gehört.“

„Na gut, Kater, für dich werden wir es tun“, antworteten die Holzfäller.

Und der Kater spazierte weiter.

 

Währenddessen war der König beim ersten Feld angelangt. Und tatsächlich ließ er den Wagen anhalten und fragte:

„Ihr Bauern! Wem gehört denn dieses Feld?“

„Dieses Feld gehört unserem Herrn, dem Herzog, mein König“, antwortete einer der Bauern.

Der Müllerssohn wunderte sich, sagte aber nichts. Der König freute sich, dass der nette Herzog so viel Besitz hatte.

SIe fuhren weiter zum zweiten, noch größeren Feld. Der König fragte wieder und wieder erhielt er die Antwort. Der Herzog begann sich zu freuen und unterhielt sich mit der Prinzessin.

Schließlich kamen sie zum Wald und der König war erfreut, denn der Herzog hatte anscheinend fast so viel Besitz wie der König selbst.

 

Der Kater war unterdessen am Ende des Weges angelangt. Er stand vor einem riesigen, prachtvollen Schloss. Leise spazierte er hinein.

„Hallo! Ist jemand zu Hause?“, rief er.

„Wer wagt es mein Schloss zu betreten?“, knurrte da eine Stimme.

„Ich bin es, der sprechende Kater“, sagte der Kater.

„Du Winzling hast mein Schloss betreten. Was soll denn das?“, wunderte sich der Zauberer. „Ich werde dich sofort in eine Teekanne verwandeln!“

„Verwandeln? Mich willst du verwandeln? Schade, ich dachte du wärst ein echter, ein wahrhaft talentierter Zauberer.“, lachte der Kater.

„WAge es nicht zu lachen! Ich bin der beste Zauberer auf der ganzen Welt! Das bin ich!“, schrie der Zauberer zornig.

„Nein, wenn du der beste Zauberer wärst, dann könntest du dich selbst verwandeln!“, rief der Kater.

„Dann pass mal auf!“, rief der böse Zauberer und verwandelte sich in -schupp- ein Trampeltier, – schwupp- einen Elefanten und -schwupp- in einen Löwen. Dann nahm er wieder seine Gestalt an. „Na? Überzeugt?“, fragte er den listigen Kater.

„Pffah! Große Tiere. Dass ich nicht lache. Du kannst dich nie und nimmer in kleinere Dinge als du selbst bist verwandeln.“, provozierte der Kater den Zauberer. „Ich wette du kannst dich nicht in ein Kaninchen verwandeln!“

Und der Zauberer verwandelte sich in ein Kaninchen.

„Ich wette, du kannst dich nicht in einen Wellensittich verwandeln!“, schrie der Kater wieder.

Und der böse Zauberer verwandelte sich in einen Wellensittich.

„Ich wette, du kannst dich nicht in eine Maus verwandeln!“, rief da der kluge Kater. Und der Zauberer verwandelte sich in eine Maus, ohne daran zu denken, dass der Kater die Maus leicht fangen kann.

Und so stürzte sich der Kater auf die Maus, fing sie und schluckte sie herunter.

Das war das Ende des bösen Zauberers.

 

Währenddessen fuhr die Kutsche des Königs vor. Der Kater kam, frisch gestärkt, aus dem Schloss marschiert und  rief mit lauter Stimme: Willkommen im Heim meines Herrn!“

Der Herzog wunderte sich und die Prinzessin und der König freuten sich.

So gelang es dem Kater einen reichen Mann aus seinem armen Herrn zu machen. Der Herzog und die Prinzessin heirateten und lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

(Nicht ganz bis zum Ende ihrer Tage, denn letzten Montag hat sie herausgefunden, wer er wirklich ist. Aber solche Kleinigkeiten verkraftet eine traumhafte Beziehung doch leicht ;))

 

So. Aus.“

Und die Moral von der Geschicht: König, trau dem Kater nicht

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. Dezember 2010 von in Unsinn und getaggt mit , .
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