Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Lyrics: Knieriems Kometenlied aus Lumpazivagabundus


1

Es is kein´ Ordnung mehr jetzt in die Stern´,

D´Kometen müßten sonst verboten wer´n;

Ein Komet reist ohne Unterlaß

Um am Firmament und hat kein´ Paß;

Und jetzt richt´t a so a Vagabund

Und die Welt bei Butz und Stingel z´grund;

Aber lass´n ma das, wie´s oben steht,

Auch unt´ sieht man, dass´s auf´n Ruin losgeht.

(In verändertem Tempo)

Abends traut man insG´wölb sich nicht hinein

Vor Glanz, denn sie richten s´ wie d´ Feentempel ein;

Der Zauberer Luxus schaut blendend hervur,

Die böse Fee Krida sperrt nacher ´s G´wölb´ zur.

Da wird einem halt angst und bang,

Die Welt steht auf kein´  Fall mehr lang.

 

2

Am Himmel is die Sonn´ jetzt voll Capriz,

Mitten in die Hundstag´ gibt s´ kein´ Hitz´;

Und der Mond geht auf so rot, auf Ehr´,

Nicht anderster, als wann er b´soffen wär´.

Die Millichstraßen, die verliert ihr´n Glanz,

Die Milliweiber ob´n verpantschen s´ ganz;

Aber lass´n ma das, herunt´ geht´s z´bunt,

Herunt´ schon sieht man´s klar, die Welt geht z´grund.

(In verändertem Temo.)

Welche hätt´ so ein´ g´scheckten Wickler einst mög´n,

A Harlekin is ja grad nur a Spitzbub dageg´n;

Im Sommer trag´n s´ Stiefel, á jour-Strümpf´ im Schnee,

Und statt Haub´n hab´n s´ gar Backenbärt´von tull anglais.

Da wird einem halt angst und bang,

Ich sag´: D´Welt steht auf kein´ Fall mehr lang.

 

3

Der Mondschein, da mög´n s´ einmal sag´n, was ´s woll´n,

Ich find´, er is auf einer Seiten g´schwoll´n,

Die Stern´ wer´n sich verkühl´n, ich sag´s voraus,

sie setzen sich zu stark der Nachtluft aus.

Der Sonn´ ihr G´schundheit ist jetzt a schon weg,

Durch´n Tubus sieht man´s klar, sie hat die Fleck´;

Aber lass´n ma das, was oben g´schieht,

Herunt´ schon sieht man, ´s tut´s in d´Länge nicht.

(In verändertem Tempo)

Sie hab´n Zeitungen jetzt, da das Pfennig-Magazin,

Da is um ein´ Pfennig all´s Mögliche drin;

Jetzt kommt g´wiß bald a Zeitschrift heraus, i parier´,

Da krieg´n d´Pränumeranten umsonst Kost und Quartier.

Da wird einem halt angst und bang,

Die Welt steht auf kein´  Fall mehr lang.

 

Die Fixstern´, sag´n s´, sein alleweil auf ein´ Fleck´,

´s is erlog´n, beim Tag sein s´ alle weg;

´s bringt jetzt der allerbeste Astronom

Kein´ saub´re Sonnenfinsternis mehr z´amm´.

Die Venus kriegt auch ganz ein´ andere G´stalt,

Wer kann davor, sie wird halt a schon alt;

Aber wenn auch ob´n schon alles kracht,

Herunt´ is was, was mir noch Hoffnung macht.

(In verändertem Tempo)

Wenn auch ´s meiste verkehrt wird, bald drent und bald drüb´n,

Ihre Güte ist stets unverändert geblieb´n;

Drum sag´ i, aus sein´ Gleis´ wird erst dann alles flieg´n,

Wenn Sie Ihre Nachsicht und Huld uns entzieh´n.

Da wurd´ ein´ erst recht angst und bang,

denn dann stund´ d´Welt g´wiß nicht mehr lang.

aus: Johann Nestroy: Der böse Geist Lumpazivagabundus, Reclam, 2005, Seite 61ff., 3.Akt, 8.Szene

Abgetippt ohne Erlaubnis

Seltene, modernere Version von Hörbiger (Text stimmt nicht mit dem oben überein!): http://www.youtube.com/watch?v=lxN9uBQ7L7k

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 20. November 2011 von in Lyrics und getaggt mit , , , , .
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