Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Sofias Leseliste: „Chronik eines angekündigten Todes“ von Gabriel García Márquez


In „überbrücken“ (Seite 59) geht es darum, ob man absichtlich oder unabsichtlich stirbt.

Das Problem hat Santiago Nasar nicht.

Vom ersten Satz an, weiß man, dass Santiago Nasar getötet werden wird. Ganz langsam versucht der Ich-Erzähler sich zu erinnern, warum und beschreibt, wie er es herausgefunden hat.

Als Leserin mag man Santiago Nasar nicht (er will die Tochter der Köchin zureiten und grapscht sie an) und doch will man erfahren, warum und wie er sterben wird.

Am Vorabend und in der Nacht war eine große Hochzeit, bei der das ganze Dorf dabei war. Bayardo San Román hat Angela Vicario geheiratet.

An das Fest erinnert sich der Ich-Erzähler nur bruchstückhaft.

Ich zitiere einen sehr lieben Satz: „Viele wussten, dass ich Mercedes Barcha, die damals gerade die Volksschule beendet hatte, im Festtaumel einen Heiratsantrag machte, woran sie mich dann auch erinnerte, als wir vierzehn Jahre später heirateten.“ (Seite 45)

Aber das tut eigentlich auch nichts zur Sache, denn in derselben Nacht bringt der Bräutigam seine Braut wieder zurück ins Haus ihrer Eltern: Sie war keine Jungfrau mehr. Skandal!

Braves, streng erzogenes Mädchen, verrät auch gleich (nach Schlägen von der Mutter), wer es war: Santiago Nasar.

Lesern wird hier irgendwie klar, dass trotz der strengen Glucke von einer Mutter, dass Mädchen wohl nicht ganz freiwillig entjungfert wurde: Nasar ist einfach ein lächerlicher Trottel, der sich nimmt, was nicht schnell genug rennen kann.

Wieder zurück, zu dem was tatsächlich im Buch steht: Die Zwillingsbrüder von Angela wollen Santiago Nasar töten. Sie erzählen es herum. Im Grunde wissen es so ziemlich alle im Dorf: Santiago Nasar soll getötet werden, sogar der Pater hat es schon gehört (aber nicht ernst genommen). Alle wissen es außer Santiago Nasar und seine arme Mutter. Diejenige, die sie waren will, kommt zu spät.

Und schließlich bleibt nur noch der Schluss: „… und fiel vorüber in die Küche.“

gelesen:

Sehr spannend, obwohl bzw. weil man den Schluss schon kennt. Man erwartet eine Erklärung, bekommt sie auch. Und es ist doch schön, dass Angela zwar verprügelt aber nicht gesteinigt wird und der Obermacho dran glauben muss. Ich habe es in ein paar Stunden durchgelesen, denn es liest sich für einen Gabriel García Márquez doch ziemlich leicht.

  • Originaltitel: Cronica de una muerte anunciada
  • Übersetzung: Curt Meyer-Clason
  • Fischer Taschenbuch Vlg. , 02/2004
  • Einband: Kartoniert / Broschiert
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 9783596162536
  • 128 Seiten

gekauft Jänner 2008 bei Thalia um 8,20 €

infos und bild : http://www.jpc.de/jpcng/books/detail/-/art/Gabriel-Garcia-Marquez-Chronik-eines-angek%FCndigten-Todes/hnum/5662188

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