Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Nachruf: Mein Polsterbezug


Kinder sind ja im Allgemeinen recht leicht für etwas Neues zu begeistern. Zumindest meine Eltern wussten immer, wie sie uns für etwas Alltägliches Freudenschreie entlocken konnten.

Wir waren gerade nach Kärnten umgezogen – alles war neu und seltsam. Wir hatten noch keine Betten und schliefen alle zusammen in einem Raum auf vier Matratzen. Eltern und vier Kinder. Und wir bekamen neues Bettzeug.

Von mir als ältester Tochter wurde in so einem Fall immer erwartet, dass ich vernünftig war. Meine Geschwister konnten sich darum streiten, welches Motiv sie wollten – ich nahm das was übrig blieb. Einmal gelang es mir bei einem Handtuch meinen Willen durchzusetzen, nur um drei Minuten später wieder nachzugeben. Ach! Meine kleine Schwester hatte den Protestheulbonus. Das hält keiner lange aus.

 

Nun muss ich leider die traurige Nachricht verbreiten, dass eben jenes Bettzeug, das ich so dankbar und freudig  – liebevoll – auf dem Matratzenlager einweihen durfte, sein Leben ausgehaucht hat. Volle vierzehn Jahre hielt es treu zu mir. Nun ist es tot, gestorben – vermutlich von meinen Fingernägeln im Schlaf zerkratzt (und zwar vorne und hinten, Himmel, was hab ich nur geträumt?).

Lebe wohl, Polster, schlaf gut!

 

(Ich hab ja noch die Decke)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 2. September 2012 von in Unsinn und getaggt mit , , , .
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