Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Grazer Busfahrer


Der nachfolgende Beitrag wurde auf einem Gerät geschrieben, dass eigentlich keine Tastatur hat, was zu einer erhöhten Population von Tippfehlern beiträgt.

Grazer Busfahrer (und Busfahrerinnen) werden von mir meistens gelobt. Vor allem, weil sie auf einen warten, wenn sie sehen, dass man händeringend auf sie zugelaufen kommt, obwohl der Bus eigentlich schon Verspätung hat und sie bleiben trotzdem stehen und öffnen dir trotz allem noch einmal die Tür. Wie gesagt, sehr lobenswert, habe ich den Großteil meiner Busfahrerzeit doch in Klagenfurt gebracht, wo Busfahrer grundsätzlich vorbeifahren, gerade wenn sie dich bei einer bushaltestelle stehen sehen, zu der der Bus sowieso nur alle zwei, drei Stunden kommt.

Naja, wie gesagt. Verwöhnt wie ich durch nun schon zwei Jahre Graz eben bin, fiel es mir sofort unangenehm auf, als ein Busfahrer kleine Kinder mit bösen Blicken bedachte. Ich fuhr von Hauptbahnhof bis Lendplatz und werde euch Tag und Uhrzeit nicht verraten, keine Angst. Jedenfalls stieg eine Frau mit zwei kleinen Kindern ein. Der ältere grob geschätzt fünf, der kleinere höchstens drei. Auf der Fläche, wo sonst Kinderwagen oder Rollstühle stehen, lagen zwei riesige Hunde, schön frisierte Windhunde. Der Kleine stieg auf die Sitzfläche, damit er die Hunde besser sehen konnte und begann mit den Hunden zu reden. Dann fragte er die Frau, ob er sie streicheln dürfte, was sie aber verneinte. Der Kleine gab sich damit zufrieden, lautstark zu den Hunden zu sprechen. Der Busfahrer stieg ein und schnauzte: „Füße vom Sitz“. Die Mutter reagierte sofort und befahl dem Kleinen in einer Sprache, der ich nicht mächtig bin, sich hinzusetzen, was dieser sofort tat. Er versuchte sich immer wieder umzudrehen, damit er die Hunde sehen konnte, doch da es nicht gelang, wurde ihm langweilig. Er begann zu singen. Ich nehme an, es war ein Kinderlied. Beim Marienplatz schnauzte der Fahrer die Mutter an, dass ihr Kind leiser zu sein hatte. Sie sagte es dem Kind, aber der Kleine sang weiter. Der Fahrer schaute böse, die Mutter sagte dem Fahrer: „Was soll ich machen, es ist ein Kind, ein ganz Kleines. Es ist nicht schlimm. Singt nur.“ Der Fahrer meinte, sie soll ihn zum Schweigen bringen. Daraufhin war die Mutter wütend und stieg mit mir aus.

Ich wette meine letzten 7,98€, dass der Fahrer nichts gesagt hätte, hätte das Kind „Alle meine Entchen“ gesungen. Dann hätte er bei seinem geistigen Niveau vermutlich einfach mitsingen können. Die Gesellschaft fühlt sich von Kindern gestört? Sperren wir sie doch in eine Ganztagsschule, damit wir sie niemals wieder sehen müssen. Wer so denkt, ist hoffentlich schon über sechzig Jahre alt und muss sich nicht mehr über die Zukunft Gedanken machen.

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 31. August 2013 von in Die Trisha schreibt und getaggt mit , , , , , .
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