Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

„Die literarische Welt im Mittelalter“ von Claudia Brinker-von der Heyde


Die literarische Welt im Mittelalter

von Prof. Dr. Claudia Brinker- von der Heyde

Die Autorin wurde 1950 in München geboren, sie ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie studierte Germanistik, Geschichte und Literaturkritik an den Universitäten Konstanz und Zürich. Seit Oktober 2009 ist Brinker-von der Heyde Vizepräsidentin der Universität Kassel. Sie veröffentlichte mehrere Monografien. Das Buch „Die literarische Welt im Mittelalter“ wurde von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft, Darmstadt, im Jahr 2007 veröffentlicht.

Claudia Bringer-von der Heyde beginnt damit, über den heutigen Buchmarkt zu schreiben. Zum momentanen Zeitpunkt werden Bücher digitalisiert, aber wie es genau damit weitergeht, kann man noch nicht abschätzen. Die Sprache des vorliegenden Werkes ist recht einfach, die meisten Fachbegriffe werden bereits im Text erklärt, einige Begriffe (Personen, literarische Figuren und Texte) kann man im Glossar nachschlagen. Wegen dem einfachen Einstieg habe ich nicht erwartet, viel Neues herauszufinden. Die Autorin macht in der Einleitung den Laien mit der Welt des Mittelalters vertraut. Da sie nicht davon ausgeht, dass der Leser weiß, dass es damals noch keine Massenproduktion gegeben hat, scheint das Werk einen guten Einstieg in das Thema zu liefern.

Zum Aufbau des Buches:

Claudia Brinker-von der Heyde gliedert das Buch in vier große Überkapiteln: I. Ein Buch entsteht, II. Bücher auf Bestellung, III. Das Buch und seine Rezipienten, IV. Autoren und Texte. Als Anhang findet man die verwendete Literatur, ein Glossar und (noch einmal) ein Personen- und Sachregister. Es finden sich 40 Abbildungen im Buch, die nummeriert und mit Zusatzinformation versehen sind. Auf jede Abbildung der verschiedenen Handschriften wird im Haupttext eingegangen.

Die Autorin geht äußerst genau vor. Ich werde hier das erste Kapitel zusammenfassen und die anderen Kapitel nur streifen.

„Kapitel I: ein Buch entsteht“ beschreibt die exakte Herstellung aller Materialien. Dabei erfährt man viele (mir neue) Details. Zum Beispiel, dass man das wertvollste Pergament aus der Haut von ungeborenen Lämmern gewann; dass Papier mit einem Hammer glattgeschlagen wurde und wie man Tinte und Farben herstellte. Es gibt Abschnitte über die Interpunktion und die Abkürzungen, die damals üblich waren, außerdem wird auf die Schwierigkeit aufmerksam gemacht, das es in der deutschen Sprache Laute gibt, für die es in der lateinischen Schrift keine Zeichen gab. Es wird anhand von Abbildungen erläutert, warum Wissenschaftler aus unvollständigen Werken am meisten lernen können, da dort die einzelnen Arbeitsschritte erkennbar sind. Außerdem macht uns die Autorin mit den Schreiborten (Klöster, Hofkanzleien und Schreibwerkstätten) bekannt und berichtet, wer geschrieben hat (Mönche, Nonnen, Stadtschreiber, es gibt auch Belege für Schreiberinnen) und warum (Geld, Gotteslohn). Außerdem erfährt man, wie lange Schreiber für eine Handschrift brauchten (2-3 Seiten täglich). Schließlich werden auch die verschiedenen Einbände der Bücher beschrieben und die Kosten einer Handschrift.

Im weiteren Verlauf des Buches geht es zunächst um die damalige Gesellschaft (geistlicher oder weltlicher Hof, Stadt) und wer für die Bücher bezahlte (Mäzenatentum). Außerdem widmen sich einige Abschnitte der Bildung von Adeligen, mit Schwerpunkt auf den Frauen. Im Wesentlichen ging es bei Büchern um politische Repräsentation und zur Schaustellung von Macht. Die Bücher wurden lange Zeit vorgelesen, sodass sie allen Anwesenden zugänglich waren.

In der Einleitung erwähnt die Autorin zwei Revolutionen: zum einen den Schritt von der Mündlichkeit zur Schriftlichkeit und zum anderen den Buchdruck mit beweglichen Lettern. Das Buch bleibt jedoch in der Zeit vor dem Buchdruck.  Ich gehe also davon aus, dass das Mittelalter endet, bevor die ersten Drucke hergestellt wurden – was meist anders gehandhabt wird. Trotzdem das letzte Kapitel „Autoren und Texte“ heißt, wird kaum auf einzelne Werke eingegangen. Auch die verschiedenen Gattungen werden nicht ausreichend beschrieben.

Es ist ein für Laien verständliches Buch, doch teilweise werden auf der einen Seite zu viele Details besprochen, andererseits große Lücken gelassen.

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