Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Parodie: Ich saz ûf eime steine (Walther von der Vogelweide)


Bild geklaut: http://www.minnesang.com/Saenger/walther.html

Langweiliges Codex Manesse – Bild hier geklaut: http://www.minnesang.com/Saenger/walther.html

Ja, es ist Prüfungszeit. Schon wieder. Da ich mich mit Walther beschäftigen muss, habe ich ein paar Zeilen gekritzelt. Das echte Lied von Walther findet ihr weiter unten.

Ich saß auf einem Steine

Weil Sessel gabs grad keine

Überkreuzte meine Beine

Und dachte an deine

Und stützte den Ellenbogen aufs Knie

Weil das mach ich sonst nie

Stützte die Hand an die Wange

und so blieb ich lange.

Ich dachte übers Leben nach

Und da mach ich keine halbe Sach

Weil: wie soll man denn leben

Und: Wer kann mir den Rat geben

Wie man die Dinge erwirbt,

die man braucht, bevor man stirbt.

Besitz und Ehre wäre recht

Ohne die zu sterben wäre schlecht.

Doch Besitz schadet der Ehre

Die kommen sich in die Quere.

Das dritte, was ich gern hätt,

wär Gottes Gnade – das wär nett.

Ist sie doch viel besserals die andern beiden

Und drunter würde ich auch nicht leiden.

Aber leider geht das nicht,

denn in einem kleinen Herz

die drei zu versammeln, wäre ein Scherz.

Das gelingt doch keinem

Weg dazu gibt’s nicht einen

Dort wirst du verraten

Auf Gewalt musst du nicht warten

Friede und Recht wurden verwundet

Bevor es die zwei nicht gesundet

Können Besitz, Ehre und Gottes Gnaden

Gehen baden.

geschrieben von Patricia Radda, nicht das ich darunter ein Copyright setzen würde…

Vermutete Rechtschreib- oder wahrscheinlichere Tippfehler tun mir leid, ich habe es nicht durchgelesen- dafür fehlt mir die Zeit! Ich habe übrigens nichts gegen Walther. Wenn ich ihm nicht in jedem verxxxelten Seminar begegnen würde, dächte ich mir wohl: Was für ein gscheiter Bursch. Oder: Lustiger als Shakespeare. Aber er ist einfach überall. Das nervt. Also hier das „Original“.

Walther von der Vogelweide

Ich saz ûf eime steine

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.
dô dâhte ich mir vil ange,
wie man zer werlte solte leben:
deheinen rât kond ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der deheinez niht verdurbe.
diu zwei sint êre und varnde guot,
der ietwederz dem andern schaden tuot,
daz dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
die wolte ich gerne in einen schrîn.
jâ leider desn mac niht gesîn,
daz guot und werltlich êre
und gotes hulde mêre
zesamene in ein herze komen.
stîg unde wege sint in benomen:
untriuwe ist in der sâze,
gewalt vert ûf der strâze;
fride unde reht sint sêre wunt.
diu driu enhabent geleites niht,
diu zwei enwerden ê gesunt.

Neuhochdetusch:

Ich saß auf einem Stein und schlug ein Bein über das andere; darauf setzte ich den Ellenbogen; in meine Hand hatte ich das Kinn und eine Wange geschmiegt. So dachte ich nach, auf welche Weise man auf der Welt leben müsse: Keinen Rat konnte ich geben, wie man drei Dinge so erwerben könne, ohne daß eines von ihnen zugrunde ginge. Zwei von ihnen sind Ehre und Besitz, die einander oft schaden, das dritte ist Gottes Gnade, die viel mehr wert ist als die beiden andern. / Diese wollte ich gerne zusammen in einem Kästchen. Aber leider ist es nicht möglich, daß Besitz und weltliche Ehre und Gottes Gnade zusammen in ein Herz kommen. Weg und Steg sind ihnen genommen: Verrat liegt auf der Lauer, Gewalt beherrscht die Straße; / Friede und Recht sind schwer verwundet. Die drei haben keine Sicherheit, bevor die zwei nicht gesund werden.

http://www.pinselpark.org/literatur/w/walthervogelweide/poem/ichsazuf.html

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 23. Januar 2015 von in Die Trisha schreibt.
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