Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

„Zukunfts-Kinder“ von Patricia Radda


Ein gellender Schrei dringt durch die Stadt

Wer hat das mit den Kindern gemacht?

Ich hab eins gesehen gleich hier

Unter freiem Himmel, wild wie ein Tier

Es lief mit seinen eigenen Beinen

Legt dieses Kind doch an die Leinen

Es bewegt sich völlig frei

Holt doch endlich Hilfe herbei!

Da! Oh Gott, jetzt kommen noch mehr

Schaut doch, grad waren die Straßen noch leer!

Ich kanns nicht verstehen

Wie kann denn das gehen?

Und Lärm machen sie, vorher wars leis!

Aber hab ich nicht hier auf Schwarz und Weiß

Dass ein jeder Fratz bleibt auf seinem Platz?

Ja, so war es vorhergesagt:

Kein Erwachsener wird mehr mit Kindern geplagt

Sobald jedes einen Computer hat

Haben wir etwa was übersehen

Nein, also so kanns nicht weitergehen

Da! Endlich kommt der Polizist,

der wird uns sagen was Sache ist

 

Was ist los, was geht hier vor

Seht doch, die Sitzbank- mit Kindern davor!

Keine Sorge, das ist nicht das erste Mal

Denkt nur vor Jahren der Stromausfall!

Wir müssen nur fragen, was sie hier wollen

Dann werden sie schon aufhören zum Tollen

Keine Panik, alles wird wieder normal

Aber ich gebe zu, ein ungewöhnlicher Fall!

 

Dann schlängeln sich die Ordnungshüter

Durch die aufgebrachten Gemüter

Und stehen schließlich ratlos da

Auf einer Steinbank sitzt eine Frau

Und vor ihr machen die Kinder Radau

Sie springen und lachen, schubsen und klatschen

um die Seifenblasen zu zerplatschen

Und da kitzelt eine Blase

Den Polizisten an der Nase

Die Kinder beginnen zu lachen

Weil sie wissen: Jeder darf mitmachen

 

Was tun sie hier? Was soll das werden?

Reagiert der Polizist auf die Beschwerden

Die Frau sagt: Ich hab doch gar nichts gemacht

Er sagt: Aber die Kinder haben gelacht!

Sie sagt: Naja das ist schon öfter passiert!

Wenn ma sie auf Bewegung trainiert

Nein, sagt er, so kanns nicht gehen

Wollen sie denn nicht verstehen

Kinder sollen an ihren Plätzen bleiben

Sonst hat die Bevölkerung zu leiden

Sie sollen schweigen und still halten

So kann man sie viel leichter verwalten!

 

Es ist wichtig für die Sicherheit

Dass ihr Kinder drinnen seid

Dort lernt ihr alles, was ihr braucht

Bis euer kleines Köpfchen raucht

Bringt niemanden in Gefahr

Und seid immer da

Wo man euch zurückgelassen

So seid ihr auch viel leichter zu fassen

Wenn man euch doch mal in der Nähe haben will

Steht ihr fürs Weihnachtsfoto still

So wie es sich gehört für gute Kinder

Jetzt steht nicht da und glotzt wie Rinder

Ihr sollt doch nach Hause gehen

Und weiter fernsehen

Wollt ihr die Zukunft sabotieren

Wird was Schlimmeres passieren

Schon seit Urzeiten wurde vorausgesagt:

Es kann viel verlieren, wer viel wagt

Drum hört doch auf mit diesen Witzen

Und bleibt brav auf euren Hintern sitzen

 

Wenn ein Kind das Lachen lernt

Ist das Weinen nicht weit entfernt

Niemand will sich kümmern um Kinder

Die nicht gewöhnt ans Kinderzimmer

Die haben freie Emotionen

Das wird sich einfach nicht lohnen

Da musst du dich um sie sorgen

Ihnen deine Aufmerksamkeit borgen

Aber so fängts erst an

Denn irgendwann

Musst du dann

Die Sachen machen

Die ein Computer viel besser kann.

trösten und ablenken   Langeweile senken   Unterhalten Verwalten

lehren wie man schreibt und liest, Wecker setzen, damit man nichts vergisst

Nachrichten vergleichen und analysieren, Medikamente dosieren gegen Viren.

Nein, mit einem beweglichen Kind hat man nur Scherereien

Und so sollten Kinder nun wirklich nicht sein!

 

Die Kinder stehen zwischen Polizist und Frau

Und überlegen es sich ganz genau.

Sie denken an ihre Computerspiele

Und davon gibt’s so unendlich viele.

Sie denken an das gewohnte zuhaus

Und wissen: Das Leben einer Seifenblase ist doch gleich wieder aus.

Und beschließen feierlich an diesem Tag

So viele Seifenblasen zu machen wie man nur mag.

 

 

geschrieben 22.10.2015 (Boat of Hope Klagenfurt, Brückenslam)

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 13. Februar 2016 von in Die Trisha schreibt, Gedichte und getaggt mit , , , , , , , .
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