Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Meine beiden Socken


 

2016-04-14 12.20.08

verschiedene Socken fördern die Kommunikation

Ich habe immer zwei verschiedene Socken an. Das liegt nicht daran, dass immer einer kaputt ist, es liegt einfach nur an meiner Faulheit. Also wenn ein Socken kaputt wäre, würde ich es vermutlich nicht bemerken, denn ich hab ja immer zwei verschiedene Socken an. Es begann damit, dass mir Leute Socken schenkten. Bunte Socken. Also, schon einfärbig, zwei rote Socken, zwei gelbe Socken, zwei blaue Socken und so weiter. Und mir war das natürlich immer zu blöd, zwei gleichfarbige Socken am Wäscheständer zu suchen. Wenn ich bei Freunden eingeladen bin, und mich alle zum ersten Mal unbeschuht sehen, bieten meine Socken jedes Mal ein Gesprächsthema. Ich meine, überlegt, wie lächerlich.

Meine Socken sind ein Thema.

Ich bekomme dann ganz viele Tipps. Wie zum Beispiel: Du kannst ja nur noch schwarze Socken kaufen. Ja. Aber dann habe ich noch immer bunte Socken zu Hause, die ich nicht wegwerfen werde. Weil: Kleidung wirft man nicht weg. Man trägt sie am Körper und wäscht sie und trägt sie am Körper und wäscht sie und trägt sie am Körper bis sie kaputt wird. Dann wirft man sie weg. Ein nächster Tipp ist, ich solle beim Wäscheaufhängen, die gleichfarbigen Socken schon nebeneinander hinhängen. Daraufhin wird das Gesprächsthema ausgeweitet auf meine Sockenaufbewahrungsbox. Denn ich werfe meine Socken vom Wäscheständer direkt in den Karton von meinem uralten CD-Player. Die einzelnen Socken. Da schlagen die braven Hausfrauen dann aber die Hände vorm Kopf zusammen. Oje. In dem Karton ist es schlichtweg unmöglich, gleiche Socken zu finden, falls man einmal auf die Idee kommen sollte. Die ersten Menschen, die mich wegen meiner Socken ansprechen, sind aber nicht Freunde von Freunden, nein, es sind meine Kinder. Also, natürlich nicht meine Kinder, ich hab ja noch keine, aber ich bin Kindermädchen, Babysitterin und fast-Lehrerin. Und das heißt, dass früher oder später ein – meist kleines – Kind auf mich zuläuft und völlig perplex meine verschiedenfarbigen Füße anstarrt. Ich hatte auch eine wunderbare Aussprache mit einer Mutter darüber.

Sie erzählte mir unter Lachanfällen, dass ihr Kind darauf bestanden hätte, zwei verschiedenfarbige Socken anzuziehen. Mit der Begründung, dass sie jetzt Vater, Mutter, Kind spielen, und sie müsse die Patricia spielen. Hach!

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. April 2016 von in Die Trisha schreibt, Unsinn und getaggt mit , , , , .
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