Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Uni-Life @ UniGraz (okay, ich nenne keine Namen)


Nach vier Tagen Dauerlernen bekommt man schon das Gefühl, dass man so gar kein Leben mehr hat. Aber dann ist ja endlich oder schon der Tag der Prüfung und man steht extra um sechs Uhr auf und schaut sich noch mal alles an und geht früh los und ist rechtzeitig dort. Und man sieht die Fragen und denkt sich: Hey – das weiß ich. Und das auch. Und das auch. Das ein bisschen. Okay. Das weiß ich. Das weiß ich. Und dann legt man los und man schreibt zunächst nur Stichworte auf, die man später genauer ausformuliert, weil einem später immer noch etwas mehr einfällt als in dieser Anfangssituation. Und dann geht nach zehn Minuten die Tür auf und eine Frau kommt herein und sagt, sie hat hier jetzt ihre Kunstgeschichtevorlesung. Und was uns eigentlich einfällt. Und warum der Raum doppelt gebucht wurde. Und wie um Gottes Willen wir uns das vorstellen, dass sie jetzt einen anderen Raum für 150 Leute finden soll? Und sie wirft uns tatsächlich hinaus.

Na gut, dann suchen wir halt einen neuen Raum, denken wir uns. Für zwanzig Leute sollte das ja kein Problem sein.

Aber rechtlich gesehen ist es ein Problem. Denn wir haben die Fragen schon gesehen. Und wir sind zehn Minuten verwirrt im Gang herum gestanden und hätten uns über die Fragen unterhalten können. Und deshalb dürfen wir die Prüfung nicht weiterschreiben.

Gut. Kann man ja nichts machen. Warum sich also aufregen?

Wir gehen nach Hause. Höchst unbefriedigendes Gefühl, übrigens.

 

Eine Prüfung muss doch irgendwie mehr wert sein als eine einzige Einheit einer Vorlesung? Nein, natürlich nicht, sie hat schließlich den Raum das ganze Semester über gebucht und wir nur einmal. Zweimal, wenn man genau ist, schließlich war letzte Woche in ebendiesem Raum zu ebendieser Zeit auch schon eine Prüfung und niemand hat sich beklagt. Aber wie gesagt: Egal!

Damit möchte ich für die Abschaffung von Vorlesungen plädieren. Gebt uns den Stoff, wir erarbeiten ihn uns alleine und dann schreiben wir eine Prüfung. Machen wir bei 95% der Vorlesungen sowieso. Wir brauchen keinen unkompetenten Kasperl, der/die uns das Material eins zu eins vorliest. Vorlesen, zuhören und mitschreiben ist einfach lächerlich. Unterstufe. Ich fordere etwas Herausfordernderes für uns. Oder auch eine Erleichterung für die anscheinend so angespannte finanzielle Situation der Hochschulen. Man könnte sich auf die kleinen Räume konzentrieren und bräuchte nicht große, hässliche Hallen bauen. Vielleicht finde ich es auch nur lächerlich, dass Studentinnen wie Kleinkinder zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein müssen, um zuzuhören. Ich meine, was sind Studierende denn mittlerweile? Mütter, Väter, Arbeiter, Arbeiterinnen, gut, meist Kellnerinnen, aber egal, wir studieren doch höchstens nebenbei (was anderes kann sich doch eh niemand leisten) und müssen trotzdem wie die Kleinkinder antanzen, um uns vorlesen zu lassen. Hoc heim Pluspunkt mit Augenzwinkern: Wenn wir die Unterlagen bekommen und danach lernen, ist wenigstens alles richtig geschrieben (die Namen, die Orte – viel bessere Qualität, Oida) und es gibt keine Olüm de Guschs mehr auf Prüfungsbögen, sondern nur noch Olympe de Gouges, so wie es sich gehört. Ein Freudentag. Wäre das nicht viel schöner? Hm?

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am 14. Juni 2016 von in Die Trisha schreibt, Unsinn und getaggt mit , , , , , , .
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