Weißes Blatt

Neue Texte von Patricia Radda

Trisha schaut Fußball -schon wieder


Schreiben, um zu schreiben. Mir ist fad. Lalala.

Wichtig ist der Anfang. Eine jede Geschichte muss einen guten Anfang haben, denn sonst liest ja kein Schwein weiter. Ich habe keine Geschichte. Ich habe keinen Anfang. Ich erzähle nur, um zu erzählen. Heute habe ich zum Beispiel Fußball geschaut. Das ist ein dummer Anfang, denn jetzt klappen alle, die nicht gerne Fußball schauen, das Buch/den Laptop/was auch immer zu. Aber heute war ein besonderes Spiel.

Es ist Europameisterschaft 2016. Es spielte Österreich gegen Portugal. Alle erwarteten, dass wir verlieren. Schließlich war der Gegner Portugal und Portugal hat Cristiano Ronaldo. Und bei uns ist Dragovic wegen einer roten Karte und Junuzovic wegen einer Verletzung ausgefallen. Österreich hatte den Ball so gar nicht. Nicht einmal einfache Pässe hauten hin. Und die Portugiesen waren überall.

Aber wir hatten Robert Almer. Das war der Tormann. Er war eindeutig der Spieler mit dem meisten Ballbesitz. Normalerweise haben Tormänner nie den Ball, nur in Ausnahmesituationen. Aber Almer war der einzige Österreicher, der wusste, was man mit einem Ball macht. Portugal schoss andauernd auf das Tor und Almer hielt andauernd den Ball davon ab, im Tor zu landen. Bis jetzt wusste ganz Österreich nicht, wie sehr Österreich Robert Almer lieben muss. Aber jetzt wird er vergöttert. Mehrere Zeitungen betitelten ihn so auf Facebook, noch während des Spiels: Almer ist der Tormanngott. Und es muss stimmen: Als Ronaldo einen Elfmeter schießen wollte und Almer sich in die falsche Richtung warf, knallte der Ball an die Stange. So etwas passiert doch nicht; jedenfalls nicht ohne telepatische Fähigkeiten. Die anderen österreichischen Spieler wirkten eher so, als wüssten sie nicht, was man mit einem Fußball macht. Dass man ihn hin- und herspielt, zum Beispiel. Gut, in der zweiten Halbzeit wurde das etwas besser, aber trotzdem: schwach!

Der Schiedsrichter war den Österreichern auch wohlgesinnt. Meistens, wenn ein Spieler am Boden lag und effektvoll losjammerte, ignorierte er ihn einfach. Das finde ich gut. Fußballer sind solche Jammerlappen geworden. Dauernd machen sie auf hirnlose Jungfrau und lassen sich zu Boden fallen, sobald ein Schmetterling sie am Arm berührt. Ich weiß nicht, warum mir das früher nicht aufgefallen ist. Zum ersten Mal ist es mir vor ein paar Jahren aufgefallen, bei einem niederländischen Spieler namens Arjen Robben, damals bei der Weltmeisterschaft 2010. Da hab ich mir gedacht: Der fliegt einfach immer hin, aber er fliegt eben nicht einfach nur hin, sondern „stürzt“ mit der Mimik und Gestik eines Schauspielers, der noch nicht gelernt hat, was „over-acting“ ist.

Und natürlich hätte ich mir das nicht bis jetzt gemerkt, wenn nicht mein kleiner Bruder, noch während der WM, uns alle gezwungen hätte, mit ihm Fußball zu spielen. Manchmal, wenn wir alle fünf Zuhause bei meinen Eltern sind, spielen wir gemeinsam Fußball. Der Kleine war damals ungefähr sieben Jahre alt. Er liebte Fußball, schaute aber nie länger als zehn Minuten zu. Sobald die Sonne hinter dem Haus verschwand, jammerte er solange, bis er uns alle (oder eben die meisten) zum Spielen überredet hatte. Diesmal war es aber anders. Einmal berührten wir ihn leicht an der Schulter und er fiel schreiend zu Boden. Weil er der jüngste ist, und wir normalerweise auf ihn aufpassen, rannten wir alle zu ihm. Wir dachten eigentlich, eine Biene (oder so) hätte ihn gestochen.

Wir fragten: „Tobi, was ist passiert?“

Und er sagte: „Ich weiß nicht, aber heute bin ich Robben und du hast mich berührt.“

Das ging dann eine zeitlang in unseren normalen Wortschatz über: „Einen auf Robben machen“ – so tun, als ob man Schmerzen hätte, um alle in der Nähe zu nerven.

So viel also zu guten Vorbildern.

Hier noch ein kleines Video über Verletzungen im Sport:

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